Organisatoren arbeiten an alternativen Ideen

Für viele Arbeitgeber und Bewerber der Region ist es bereits ein fester Termin im Kalender: das Neuwieder Azubi-Speed-Dating, organisiert vom WirtschaftsForum Neuwied, der IHK Regionalgeschäftsstelle Neuwied, der Agentur für Arbeit Neuwied, der Kreishandwerkerschaft Rhein-Westerwald und dem Jobcenter Neuwied. Üblicherweise wird dabei unkompliziert ein Zusammentreffen von Arbeitgebern und möglichen Auszubildenden ermöglicht. Das Konzept ist einfach: Fünf Minuten haben junge Menschen Zeit, sich im Gespräch mit Betriebsinhabern oder Personalverantwortlichen interessant zu machen – und umgekehrt. Dann wird gewechselt, für das nächste Date mit dem nächsten Bewerber, beziehungsweise Arbeitgeber. Doch in diesem Jahr kann die Veranstaltung aufgrund der aktuellen Lage und den Bestimmungen zu COVID-19 nicht im gewohnten Rahmen stattfinden.

Für die Veranstalter ist der komplette Wegfall des Azubi-Speed-Datings jedoch ein denkbar schlechter Weg. „Die aktuelle Situation in der Corona-Krise stellt viele Unternehmen vor große Herausforderungen. Eine dieser Herausforderungen ist die Besetzung offener Ausbildungsplätze unter Berücksichtigung der aktuellen Kontaktbeschränkungen bzw. dem ersatzlosen Wegfall etablierter Ausbildungsmessen. Unternehmen und Bewerber möchten sich unter den geänderten Rahmenbedingungen den Risiken eines persönlichen Vorstellungsgesprächs möglichst selten aussetzen. Unsere Überlegungen gehen daher in die Richtung eines digitalen Treffens“, erläutert Martin Neudecker, Regionalgeschäftsführer der IHK Geschäftsstelle Neuwied die Überlegungen des Orga-Teams.

Alternativ zum Face-to-Face-Date im foodhotel soll nun das Zusammenkommen von Unternehmen und Bewerbern online unterstützt werden. „Aufgrund der aktuellen Lage, haben viele Unternehmen in den letzten Wochen auf digitale Medien wie Zoom oder WhatsApp zurückgegriffen und persönliche Gespräche per Videocall durchgeführt. Dies kann momentan auch bei Bewerbungsgesprächen eine gute Lösung darstellen.“, erklärt Marion Blettenberg vom Vorstand des WiFo. Als Zeitrahmen für die digitale Zusammenkunft  ist der 10.09.2020 zwischen 14:00 Uhr und 16:00 Uhr geplant.

Eine besondere Herausforderung stellt für die Organisatoren auch die Bewerberseite dar. Julia Flada von der Agentur für Arbeit Neuwied sieht insbesondere beim Wegfall der Schulbesuche ein Problem: „In den letzten Jahren konnten wir als Berufsberater vor Ort in den Schulen über die Veranstaltung informieren und sogar einzelne Schüler und Schülerinnen gezielt zur Teilnahme motivieren. Die aktuelle Lage ermöglicht uns leider lediglich den schriftlichen und telefonischen Kontakt.“ Für Dirk Arenz vom Jobcenter ändert sich hingegen wenig, denn auch im letzten Jahr lief das Bewerben der Veranstaltung überwiegend in schriftlicher Form. 

Für die vom Bewerberrückgang besonders betroffenen Berufe im handwerklichen Bereich sieht Fred Kutscher von der Kreishandwerkerschaft Rhein-Westerwald in Neuwied in dem digitalen Format eine große Chance, doch noch geeignete Auszubildende zu finden: „Gerade bei den Bäcker- und Fleischerbetrieben sind die Bewerberzahlen in den letzten Jahren rückläufig. Daher ist eine solch unkonventionelle Veranstaltung für die Ausbildungsbetriebe eine gute Chance Kontakt zu potenziellen Bewerbern herzustellen.“

Interessierte Unternehmen können sich bis zum 15.06.2020 auf der IHK-Homepage unter www.ihk-koblenz.de mit der Nr.: 4384766 anmelden. Alle angemeldeten Unternehmen werden wie im letzten Jahr mit ihren angebotenen Ausbildungsberufen auf der Homepage des WirtschafsForums Neuwied veröffentlicht. Das Anmeldeverfahren für die Teilnehmer wird in diesem Jahr ebenfalls digitalisiert. Statt der kurzfristigen Terminvergabe durch das Orga-Team am Tag der Veranstaltung startet die Anmeldung bereits unmittelbar nach den Sommerferien.

„Die Bewerber müssen sich auf einer Online-Plattform anmelden und dort ihre Wunsch-Berufe, beziehungsweise ihre Wunsch-Unternehmen nennen. Wir werden dann im Vorfeld die Termine auf die einzelnen Unternehmen sowie die Zeitfenster innerhalb des Nachmittags verteilen. Die konkreten Termine geben wir an die entsprechenden Unternehmen weiter und diese setzen sich dann mit dem Bewerber in Verbindung, um das Medium und eventuelle Zugangscodes für das Video-Bewerbungsgespräch festzulegen.“, beschreibt Sarah Dahm von der IHK den aktuell angedachten Ablauf. „Wir sind uns bewusst, dass es in diesem Jahr etwas aufwendiger für die Unternehmen und auch die Bewerber wird, aber es sollte keine Chance ungenutzt bleiben! Wir müssen neue Wege gehen um alle gesund ans Ziel zu kommen.“, ergänzt Martin Neudecker. 

Die Veranstalter sind sich jedoch einig, dass der Aufwand sich nur bei einer entsprechenden Anzahl von interessierten Unternehmen lohnt und behält sich daher vor, über die Durchführung erst nach Abschluss des Anmeldeverfahrens Ende Juni konkret zu entscheiden. „Wir möchten die Neuwieder Wirtschaft bei der Suche unterstützen und hoffen sehr, dass die Unternehmen hierin eine Möglichkeit erkennen, Ausbildungsstellen auch in der aktuellen Situation besetzen zu können. Ob wir den Bedarf richtig eingeschätzt haben, werden wir aber erst im Juni wissen.“, erklärt Marion Blettenberg hoffnungsvoll die Motivation des Organisationsteams.